Willkommen beim Thema Selfcare

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Was ist Selfcare?

Ich stelle in meinen Therapien immer wieder fest, wie sehr die aktuellen Lebensbedingungen und die Werbung uns von uns selbst entfremden und wie viele meiner Patient:innen den gesunden Umgang mit ihrem Körper, ihrer Psyche und ihren Beziehungen verlernt haben. Sie zahlen einen hohen Preis in Form von körperlichen, psychosomatischen und psychischen Krankheiten dafür.

Und genau da setzt Selfcare an. Es geht darum, dass wir wieder den Zugang zu uns entdecken und Verantwortung für unsere eigene Gesundheit, für unser Verhalten, für unsere Beziehungen und für die Erfüllung unserer Bedürfnisse übernehmen.

Selfcare umfasst viele Bereiche des Lebens: die Kunst der Pausen und der Entschleunigung, der Schlafhygiene und der Selbstwahrnehmung. Die eigenen Bedürfnisse müssen entdeckt und sinnvoll befriedigt werden. Selbst(er)kenntnis stärkt das Selbstbewusstsein. Der wohlwollende und wertschätzende Umgang mit einem selbst und mit anderen sorgt für unterstützende Beziehungen.

Der Körper ist unser bester Freund und sollte als solcher behandelt werden: mit naturnahem, vollwertigem und massvollem Essen, ausreichend Bewegung und gesundem Sport. Der Umgang mit Beschwerden und Krankheiten erfordert ein selbstverantwortliches Mitdenken und gesundheitsförderndes Verhalten.

Medikamente können wertvolle Unterstützung sein, sind es aber nicht in jedem Fall. In Hausarztpraxen finden sich je nach Studie bei bis zu 45% der Patienten keine organisch-strukturelle Ursachen, sondern sogenannte funktionelle Abweichungen. Gerade bei solchen können Medikamente sogar zu einer Fehlbehandlung und Chronifizierung führen.

Es ist oft erstaunlich schwierig, diese Prinzipien im Alltag umzusetzen. Dafür scheinen viele eingefahrene Gewohnheiten und körperliche Anpassungen verantwortlich zu sein. Sich mit diesen auseinanderzusetzen und sie zu verändern ist langwierig und schwierig. Oft scheint aber auch ein Mangel an grundlegendem Wissen dafür verantwortlich zu sein. Dagegen lässt sich etwas machen.

Sie finden hier Informationen, die in den nächsten Wochen und Monaten ergänzt und erweitert werden. Schauen Sie immer mal wieder rein und schreiben Sie mir, wenn Sie bestimmte Themen interessieren oder Sie interessante Hinweise haben!


Im Folgenden stelle ich nützliche Links vor, die einfache Techniken zeigen, mit denen Sie etwas für Ihre Gesundheit tun können. Ich versuche dabei, verschiedene Schwierigkeitsgrade zu berücksichtigen, so dass im Lauf der Zeit für jeden etwas dabei sein sollte.

Zunächst möchte ich einen Link zum Thema Bewegung präsentieren:

Homex (https://myhomex.org) wurde vom Institut für Epidemiologie, Biostatistik und Prävention der Universität Zürich entwickelt. Es handelt sich um ein videobasiertes Trainingsprogramm, das zunächst für Menschen mit der Lungenkrankheit COPD gedacht war. Es ist aber auch gut für jüngere Menschen geeignet, vor allem wenn sie weniger fit sind oder gar viel an Beweglichkeit und Ausdauer verloren haben, zum Beispiel im Rahmen chronischer Schmerzen oder chronischer Erschöpfung.

Die Übungen werden sehr professionell und sympathisch angeleitet und können dem eigenen Fitness-Zustand und der Tagesform angepasst werden. Sie helfen allen, die sich ein strukturiertes Tagesprogramm wünschen.


Hier empfehle ich Bücher, die mir beim Lesen sehr gefallen haben und die ich hilfreich für den Erwerb eines Gesundheitsverständnisses finde.

Das Buch Achtsamkeit und gestörter Schlaf von Claus Derra und Corinna Schilling hat mich sehr angesprochen, da es in einfachen und klaren Worten die Grundlagen für ein Verständnis von Schlaf und Schlafstörungen vermittelt und die Wichtigkeit von Achtsamkeit aufzeigt.

Dazu werden einfache, gut in den Alltag integrierbare Übungen vorgestellt. Die fachlich bestens ausgewiesenen Autoren geben dem Leser und Übenden viel Raum für die Integration eigener Bedürfnisse und Vorlieben. Die auf CD mitgelieferten Audios helfen dabei, erste Erfahrungen zu sammeln. So kann Achtsamkeit eine aktuelle und hilfreiche Basis für eine langsame, nachhaltige und gesundheitsfördernde Entwicklung des eigenen Lebensstils werden. Dies wirkt besser als die alleinige, passive Einnahme von Medikamenten.

 

Das Buch Achtsamkeit und Schmerz, ebenfalls von Claus Derra und Corinna Schilling, führt in die Grundlagen des bio-psycho-sozialen Gesundheitsmodells ein. Dieses ist für das Verständnis – nicht nur – von chronischen Schmerzstörungen unverzichtbar.

Gut nachvollziehbar wird beschrieben, wie sich chronische Schmerzen entwickeln, welche Rolle Stress, Emotionen und Schlafstörungen dabei spielen und was ich als Betroffener selbst für mich tun kann und tun muss. Dafür werden einfache Bewegungsübungen humorvoll vorgestellt. Hilfreiche Entspannungsübungen und Autosuggestionen ergänzen die Angebote. Letztlich geht es um eine Lebensstiländerung – hin zu mehr Achtsamkeit im Alltag. Wie dies gehen kann wird sehr schön beschrieben. Ich wünsche viel Freude und Neugier beim Ausprobieren!

 

Für diejenigen, die sich mit theoretischem Basiswissen zu einer wissenschaftlich basierten, ganzheitlichen Medizin beschäftigen möchten, ist die nächste Empfehlung gedacht.  Peter Henningsen, der Direktor der Klinik für Psychosomatische Medizin der Technischen Universität München, hat ein ebenso wichtiges wie verständliches Buch vorgelegt: Die neue Psychosomatik der Körperbeschwerden. In diesem zeigt er auf, dass für mindestens ein Drittel der hausärztlichen Patient:innen die traditionelle Biomedizin kein hilfreiches Angebot bereitstellt.

Die Leiden dieser Patient:innen ist nicht in strukturellen Schädigungen begründet und damit mit technischen Methoden in der Regel nicht fassbar. Ärzte sind oft hilflos und vermitteln ihren Patient:innen, sie hätten „nichts“. Doch damit werden diese krankheitswertigen, sogenannt funktionellen Störungen, in die Nähe von Einbildung oder gar von Vortäuschen gerückt. Dabei ist das Leiden und die Einbusse an Lebensqualität häufig sogar grösser wie bei organisch-strukturell erklärbaren Krankheiten. Vom erheblichen volkswirtschaftlichen Schaden ganz zu schweigen.

Das Buch erklärt, wie diese Störungen zustande kommen, weshalb sie echte Krankheiten sind und wieso sie erst mit dem Einbezug relevanter psychischer und sozialer Faktoren sinnvoll behandelt werden können. Es hilft, ein umfassenderes Verständnis von Gesundheit und Krankheit zu gewinnen. Grundlage dafür ist ein weiterentwickeltes bio-psycho-soziales Gesundheitsmodell, das aktuelle neurobiologische und philosophische Theorien angemessen berücksichtigt. Henningsen gelingt das Kunststück, die in anderen Publikationen schwer lesbaren Begriffe und Modelle nachvollziehbar darzustellen. Dies macht das Lesen zu einem Vergnügen. Allerdings sollte man schon etwas in die Thematik eingelesen sein – beispielsweise mit den beiden empfohlenen Büchern von Derra und Schilling.